Wort und Werk

Rhetorik

Jeder Musiker kennt die Situation: ein Satz, eine Phrase oder auch nur ein Thema, wollen keinen Sinn ergeben. Vielleicht ist die Periode nicht geradzahlig, es stimmt der Schwerpunkt nicht mit dem harmonischen Verlauf überein oder Spannung und Entspannung könnten sowohl auf die eine oder eine ganz andere Weise klingen. Was tun? Manchmal hilft ein entsprechendes Werkzeug der Verständnis auf die Sprünge.. Nikolaus Harnoncourt hat die Musik einmal als „Klangrede“ bezeichnet. Plötzlich leuchtet uns ein: da müssen doch Gesetzmäßigkeiten gelten.

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Pro Quatuor 2007

Sehr geehrte Musikfreunde,


von der Liebe hat jeder eine Vorstellung. Sie existiert, weil wir kein ewiges Leben haben, allein geboren werden, im Bewusstsein unserer Vergänglichkeit. Sie ist das stärkste Gefühl, zu dem Menschen fähig sind und die Krönung unseres Daseins. Nur verschieden ist diese Erfahrung, so sehr, dass – obwohl tausendfach besungen, unendlich gereimt, gemalt und bedichtet – noch immer Facetten unausgeleuchtet bleiben, Raum geben für unzählige Entäußerungen. Musik ist ihre Sprache, unmittelbarer noch als das Wort. Beiden gemeinsam ist die Bindung an Zeit: Liebe erklingt und verklingt, wo Worte das versuchen, finden sie sich meist ebenfalls in der fast musikalischen Ordnung von Poesie: in Terzinen, Sonetten oder Hexametern. Liebe schwingt in uns wie Musik und beide durchbrechen mühelos emotionale wie verstandesmäßige Schranken. Man kann sich ihrer Wirkung nicht entziehen, manche scheuen gar ihre Kraft aus Angst, überwältigt, fort getragen zu werden.

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Pro Quatuor 2013

Einführung
Musik verändert unsere Kommunikation. Sie bereichert Gefühle oder ruft sie erst hervor, sie verbindet sich mit Erinnerungen, schafft Verständnis, beginnt dann zu erzählen, wenn Worte schon lange nichts mehr sagen können. Sie ist international, braucht keine Vokabeln und keine Grammatik und wird doch mit der Kenntnis von musikalischen Vokabeln, musikalischer Grammatik und deren Kontext um Vieles reicher und klarer.

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Große Fuge op. 133

Fuge oder Finale ?

Die Bedeutung der Grossen Fuge, op.133, für die Reihe der drei Galitzin-Quartette ist evident. Für Beethovens ürsprünglicher Intention, sie als gewichtige conclusio an das Ende des Quartettes op.130 zu setzen, sprechen auf den ersten Blick strukturelle, motivische, dramaturgische und historische Argumente. Vielbeachtete Analysen bekennen sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu dieser Lesart. Aber sie tragen diese Ansicht mit einer Vehemenz vor, die bewusst alternative Ansätze spekulativ behandelt, ja selbst vor einer Abwertung des nachkomponierten Finales nicht zurückschreckt. Wenn wir aus der Sicht der heutigen, bestens sortierten Quellenlage diese Entscheidung erneut zu treffen haben, mischen sich Zweifel ein.

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"Hammerklaviersonate" - Beethoven

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Musik mehr in uns als wirklich lebendig erreichbar, sie wurde gesungen und in gebildeteren Kreisen selbst gespielt. Nur sehr herausgehobene Personen verfügten nach Belieben über sie mit eigenen Musikern oder gar Orchestern. Die Elektrizität war noch nicht erfunden, kein Grammophon, kein Walkman, Radio oder soziales Medium. Wer das Glück hatte, ein wirkliches Konzert selbst zu erleben, zehrte von diesen Empfindungen Monate, die Allermeisten hatten nur ihre Stimme und Hörensagen. Die Berühmtheit eines Frederick Chopin als Pianist beruhte auf etwa 30 gegebenen Konzerten in Europa – wohlgemerkt nicht pro Jahr sondern auf sein Konzertleben verteilt. Wer Musik um sich haben wollte und es sich leisten konnte, spielte ein Instrument.

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